Unsere Geschichte beginnt im April 1911 in einer kleinen Backstube am Schonenberg in Bocholt. Dort gründet Bäckermeister Alfons Conrad, der Urgroßvater des heutigen Inhabers Bastian Bors, seine eigene Bäckerei.
Es ist eine andere Zeit. In der Backstube wird im Schein einer Gaslampe gearbeitet, draußen rumpeln Pferdefuhrwerke über das Kopfsteinpflaster. Niemand ahnt damals, dass aus dieser kleinen Bäckerei ein Familienunternehmen entstehen wird, das mehr als ein Jahrhundert später noch immer für das Bäckerhandwerk steht.
Schon wenige Jahre später zieht der Betrieb an den Mussumer Kirchweg, damals noch am Rand von Bocholt und angeblich erst das dritte Haus an der Straße.
Neben der Backstube entsteht ein kleiner Kolonialwarenladen. Backwaren, Milch, Käse, Obst, Gemüse und Waren des täglichen Bedarfs gibt es unter einem Dach.
1923 schließt sich der Betrieb der damaligen REWE in Bocholt an. Aus dieser Verbindung entwickelt sich eine Partnerschaft, die zahlreiche Veränderungen und Fusionen überdauert. Bis heute sind wir Genossenschaftsmitglied der heutigen REWE Dortmund eG und beziehen unter anderem Obst, Gemüse und ausgewählte Handelswaren über die Genossenschaft.
Die älteste Tochter des Firmengründers, Elisabeth Conrad, heiratet den Bäckermeister Theodor Bors sen. aus Herten.
Am 10. Februar 1953 übernimmt er den Betrieb von Alfons Conrad. Aus der Bäckerei Conrad wird die Bäckerei Bors. Damit steht erstmals der Name über der Ladentür, den unser Unternehmen bis heute trägt.
1955 folgt eine größere Renovierung und Modernisierung. Zwei Jahre später, im Mai 1957, verstirbt Firmengründer Alfons Conrad im Alter von 73 Jahren.
Der Betrieb entwickelt sich weiter. Zwischen 1966 und 1975 wächst die Verkaufsfläche am Mussumer Kirchweg in mehreren Etappen von rund 70 auf 275 Quadratmeter.
Im April 1976 übernimmt Theodor Bors jun. den Familienbetrieb von seinem Vater. Ein langer Ruhestand ist Theodor Bors sen. nicht vergönnt. Er verstirbt bereits im Dezember desselben Jahres im Alter von 65 Jahren.
Mit der dritten Generation beginnt eine neue Phase des Wachstums.
Im März 1977 eröffnet die erste Filiale am damaligen Bocholter Busbahnhof. Heute befindet sich an dieser Stelle die Deutsche Bank.
1984 beginnt Theodor Bors jun. als einer der ersten Bäcker in Bocholt damit, Brötchen und Kleingebäck direkt in den Filialen zu backen. Was heute selbstverständlich erscheint, ist damals eine neue Idee. Die Kunden erleben unmittelbar, wie ihre Brötchen frisch aus dem Ofen kommen.
1987 beliefern wir das Bonner Sommerfest des EU Präsidenten mit Backwaren.
Ein Jahr später sorgen unsere Brote und Brötchen für Aufmerksamkeit, weil sie mit Quellwasser und Mineralwasser gebacken werden. Im Februar 1989 berichtet sogar die Bild Zeitung darüber.
Ebenfalls 1989 beginnen wir damit, unsere prämierten Christstollen deutschlandweit zu verschicken.
Zwischen 1992 und 1996 wird der Platz am Mussumer Kirchweg immer knapper. Schrittweise werden Flächen des angrenzenden REWE Marktes für die Backstube genutzt.
Der zuletzt rund 350 Quadratmeter große Markt wird schließlich auf einen etwa 100 Quadratmeter großen Bäckerladen mit Handelswarensortiment sowie Wurst und Käsetheke verkleinert.
Gleichzeitig wächst unser Filialnetz auf sieben Standorte in Bocholt, Rhede, Hamminkeln und Isselburg.
Das alte Sprichwort „Handel ist Wandel“ bewahrheitet sich auch bei uns.
1997 folgt der nächste große Schritt. Fast zwei Millionen Mark investieren wir in den Umbau der Backstube, vier neue Backöfen, zusätzliche Kühlflächen und eine neue Brötchenproduktion.
Mit dem Internet verändert sich auch unser Geschäft. Unsere Christstollen werden nicht mehr nur innerhalb Deutschlands verschickt. Bestellungen erreichen uns zunehmend aus dem Ausland.
Unsere Stollen reisen schließlich in die ganze Welt und werden sogar auf Weihnachtsmärkten und in Gourmet Shops im Raum Chicago und Washington verkauft. Zeitungen und Rundfunksender berichten darüber.
Im Jahr 2000 folgt eine weitere besondere Anerkennung. Das Feinschmecker Magazin zählt uns erstmals zu den besten Bäckern Deutschlands.
Gleichzeitig wächst unser regionales Filialnetz weiter. Zwischen 2002 und 2005 kommen weitere Standorte unter anderem in Isselburg, Rhede und Wesel hinzu.
Im Januar 2006 übernimmt Bäckermeister Bastian Bors den Familienbetrieb in vierter Generation.
In den folgenden Jahren wachsen Unternehmen und Filialnetz weiter. Unsere Backwaren erhalten regelmäßig Auszeichnungen und Prämierungen. Neue Standorte entstehen unter anderem in Wesel und Rees.
Doch die Backstube am Mussumer Kirchweg, die über Jahrzehnte immer wieder erweitert und umgebaut wurde, stößt endgültig an ihre Grenzen.
Im Jubiläumsjahr besucht uns das Fernsehen. ProSieben begleitet in der Sendung Galileo das Berlinerbacken während der Karnevalszeit und zeigt einen zwölfminütigen Bericht aus unserer Backstube.
Im April feiern wir unser 100 jähriges Firmenjubiläum.
Gleichzeitig steht fest, dass die Geschichte am Mussumer Kirchweg nach fast einem Jahrhundert als Produktionsstandort zu Ende gehen wird.
Im März wird Bastian Bors zum Obermeister der heutigen Bäcker und Konditoreninnung Westmünsterland gewählt.
Einen Monat später folgt eine der größten Veränderungen unserer Firmengeschichte.
Im April 2012, im 101. Jahr unseres Bestehens, zieht die Backstube von Bocholt nach Hamminkeln.
Direkt an der B 473 entstehen eine neue Backstube und das Backstubencafé. Fast sechs Millionen Euro investieren wir in Gebäude, Silos, Öfen, Kühlung und moderne Aufarbeitungstechnik.
Nach 101 Jahren erhält das Unternehmen damit ein neues Zuhause und vor allem wieder Platz für die Zukunft.
Auch unsere Verkaufsstellen verändern sich. Wir setzen zunehmend auf moderne Selbstbedienungscafés und ziehen uns teilweise aus klassischen Vorkassenbereichen des Lebensmitteleinzelhandels zurück.
Neue Standorte entstehen unter anderem in Wesel Feldmark, Xanten, Isselburg und Rhede.
2018 wird auch die neue Backstube schon wieder zu klein. Sie wird erstmals um rund 80 Quadratmeter Kühlfläche und drei weitere Öfen erweitert. Insgesamt stehen nun rund 120 Quadratmeter Backfläche zur Verfügung.
2021 beginnt unsere Zusammenarbeit mit Aldi Süd im Konzept regionales Backen.
Rund 30 Filialen werden mit 15 ausgewählten Bors Spezialitäten beliefert.
Damit finden unsere Backwaren neben unseren eigenen Verkaufsstellen einen weiteren Weg zu den Menschen in unserer Region.
Die Backstube in Hamminkeln wächst erneut. Weitere rund 260 Quadratmeter Kühlfläche entstehen.
Gleichzeitig erwerben wir ein rund 3300 Quadratmeter großes Nachbargrundstück und schaffen damit zusätzliche Möglichkeiten für die weitere Entwicklung unseres Standorts.
Auf unserem Gelände entsteht außerdem ein Ionity Ladepark mit sechs Schnellladesäulen.
2023 erleben wir einen besonderen Moment unserer Firmengeschichte.
Auf der iba in München werden wir mit dem Bundesehrenpreis des Deutschen Bäckerhandwerks ausgezeichnet.
2025 folgt auf der iba in Düsseldorf die zweite Auszeichnung mit dem Bundesehrenpreis. Mehr als vierzig unserer Backwaren sind inzwischen mit Gold prämiert.
Diese Auszeichnungen tragen unseren Namen. Verdient werden sie aber von unserem gesamten Team. Denn Qualität entsteht nicht allein durch moderne Öfen, Maschinen oder gute Rohstoffe. Sie entsteht vor allem durch Menschen, die jeden Tag ihr Können, ihre Erfahrung und ihre Leidenschaft einbringen.
Aus der kleinen Backstube am Schonenberg ist ein moderner Familienbetrieb mit 22 eigenen Verkaufsstellen geworden.
Vier Generationen haben das Unternehmen bisher geprägt. Jede Generation hat ihre eigenen Ideen eingebracht, Entscheidungen getroffen, investiert und das Unternehmen an die Veränderungen ihrer Zeit angepasst.
Vieles hat sich seit 1911 verändert. Aus der Gaslampe wurde moderne Technik. Pferdefuhrwerke sind aus dem Straßenbild verschwunden. Aus einem einzelnen Laden wurden zahlreiche Verkaufsstellen und aus der kleinen Backstube ein moderner Produktionsbetrieb.
Aber der Kern ist geblieben.
Wir sind Bäcker.
Wir arbeiten mit guten Zutaten, handwerklichem Können und dem Anspruch, unseren Kunden jeden Tag gute Backwaren anzubieten.
Unsere Geschichte handelt deshalb nicht nur von Jahreszahlen, Gebäuden, Filialen und Investitionen. Sie handelt von vier Generationen unserer Familie, von unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und von Kunden, die uns teilweise schon seit Generationen begleiten.
Sie handelt von der Bereitschaft, sich immer wieder zu verändern, ohne die eigenen Wurzeln zu vergessen.
Und sie geht weiter.
Jeden Morgen, wenn in unserer Backstube das Licht angeht und der erste Teig des Tages entsteht.
Ihr Bäckermeister
Bastian Bors
Seit 1911. Täglich frisch unsere gebackene Natur.